Die Faszination Gleitschirmfliegen

Gleitschirmfliegen, was ist das eigentlich ?
Ein Sport, bei dem man steile Klippen, Hochhäuser oder Brücken "runterspringt" ?
Ein Sport, den nur verrückte Extremsportler betreiben können ?
Sind Gleitschirmflieger alle lebensmüde ?
Ist ein Gleitschirm ein Fallschirm ? ... klare Antwort: NEIN !

Die nun folgenden Abschnitte sollen Dir einen kleinen Überblick geben:

Die Ausrüstung:

Die Entwicklung der Gleitschirme hat in den letzten 15 Jahren (so lange gibt es
Gleitschirmfliegen offiziell) enorme Erfolge in punkto Sicherheit, Leistung und
Zuverlässigkeit gebracht. Heutige GS-Ausrüstungen bestehen im wesentlichen
aus 3 Hauptbestandteilen : aus der Schirmkappe, dem Sitzgurt und natürlich dem Rettungsfallschirm. Außerdem braucht man noch Karabiner zum Verbinden des Schirmes mit dem Sitzgurt. Die Pilotenausrüstung besteht aus Helm, warmer, windabweisender Kleidung und festen Schuhen.

Der Start

Anders als allgemein angenommen "springt" der Gleitschirmpilot nicht irgendwo runter, um in die Luft zu kommen, sondern er läuft einen geeigneten Hang (15 Grad
Neigung genügen oft schon) einige Meter in Richtung Tal, um dann sanft vom Boden
abzuheben.
Leichter Gegenwind ist beim Start von Vorteil.Ist der Pilot gestartet, macht er es sich in seinem Gurtzeug bequem. Der Gleitschirm lässt sich sehr leicht über die Steuerleinen (Bremsleinen) lenken und bremsen. Lässt der Pilot die Steuerleinen locker, fliegt der Gleitschirm mit Trimmgeschwindigkeit (ungebremst) gerade aus. Die Geschwindigkeiten moderner Schirme liegt zwischen 30 und 50 km/h.
Die Sinkgeschwindigkeit liegt bei ca. 0.9 - 1.5 m pro Sekunde, d.h. bei einer Höhendifferenz von 1000m ist bei ruhiger Luft eine Flugzeit von ca. 15 Minuten möglich. Der tiefere Sinn im Gleitschirmfliegen ist allerdings, die aufsteigenden Luftmassen (Thermik) zu nutzen.
Der FlugMit Hilfe von Thermik oder/und Hangaufwind sind Flüge über mehrere Stunden möglich. Mit etwas Wetterglück und Erfahrung sind auch Streckenflüge über hundert (!) Kilometer machbar. Als Hilfsmittel für die Suche nach aufsteigender Luft dient ein Höhenmesser, der die Sink- bzw. Steigwerte in Meter pro Sekunde anzeigt und auch akustisch meldet - das sog. Variometer oder Vario.

Die Landung

Die Landung mit einem Gleitschirm ist sehr einfach. Der Pilot baut in der sog.
Landevolte über dem Landeplatz seine restliche Höhe ab und setzt in den letzen
20-50 m zum Endanflug an. Dieser sollte gegen die am Boden vorherrschende
Windrichtung erfolgen. Hat der Pilot nur noch ca. 5m bis zum Boden, zieht er kontinuierlich die beiden Steuerleinen (=Bremsleinen) herab, bis er schließlich sanft - und meistens ohne Vorwärtsgeschwindigkeit - auf dem Landepunkt aufsetzt. Danach freut sich der Pilot wahnsinnig über den schönen Flug und packt seinen Schirm wieder ein!

Gefahren beim Luftsport

Die Hauptgefahr beim Fliegen mit Luftsportgeräten ist das Wetter. Gewitter, Stürme,
und starke Turbulenzen können aber nur gefährlich werden, wenn der Pilot das
Wetter nicht richtig einschätzen kann oder Warnungen einfach ignoriert und
trotzdem fliegt.Viele Unfälle passieren, weil das Wetter an manchen Tagen einfach nicht zum Fliegen geeignet ist aber manche Piloten eben doch meinen fliegen zu müssen! Deshalb ist in der Ausbildung zum Gleitschirmpiloten das Fach Meteorologie ein Hauptbestandteil des Theorieunterrichts! Es gibt natürlich noch weitere Gefahren beim Fliegen, diese werden aber alle ausführlich in einer guten Flugschule erläutert und können somit von jedem Piloten vermieden werden.
Die AusbildungIn Deutschland und Österreich sowie in einigen anderen Ländern benötigt jeder Gleitschirmflieger einen Flugschein. Die Ausbildung zum Gleitschirmpiloten sollte immer in einer guten Flugschule erfolgen.
Dort kann man für ca. 350,- € einen 4-7-tägigen Grundkurs besuchen, bei dem man schon Flüge bis 150m Höhendifferenz (evtl. auch höher) absolviert. Nach diesem Kurs ist man berechtigt - unter Aufsicht einer Schule - die ersten Höhenflüge zu erleben. Nach ca. 40 Höhenflügen und mehreren Stunden Theorie kann man den beschränkten deutschen Luftfahrerschein oder den österreichischen Sonderpilotenschein nach bestandener Prüfung erhalten. Die Kosten für die Höhenflugausbildung betragen ca. 700,- €.
Während der gesamten Ausbildung wirst du von erfahrenen GS-Lehrern persönlich oder über Funk betreut.
Flugschulen findest du im Anzeigenteil der Fachmagazine (Fly&Glide und GLEITSCHIRM) oder im Verzeichnis der Flugschulen, die du beim DHV (deutscher Hängegleiterverband) erhältst.

Sicherheit beim Gleitschirmfliegen

Jeder Gleitschirmpilot muss einen Rettungsfallschirm mitführen. Dieser wird in einem sog. Container, der am Gurtzeug befestigt ist, untergebracht. Bei einer Gefahrensituation, die nicht mehr anders bewältigt werden kann (z.B. nach einer Kollision mit einem anderen Luftsportgerät), "zieht" der Pilot den Auslösegriff des Rettungsgerätes und kommt somit relativ sicher zur Erde zurück.
Um die Sicherheit bei der Ausrüstung zu gewährleisten, müssen der Schirm, die Rettung und das Gurtzeug eine gültige Zulassung, das sog. Gütesiegel des DHV, haben! Gleitschirme müssen alle zwei Jahre vom Hersteller überprüft werden. Der Rettungsschirm sollte alle 3-6 Monate geprüft und neu gepackt werden.
Häufig gestellte Fragen werden unter: www.gleitschirm-faq.de recht gut beantwortet